đ YOLO ist zurĂŒck im Marketing. Aber anders...
Wie Unsicherheit verĂ€ndert, wo Marken im GedĂ€chtnis bleiben. Warum IRL-Erlebnisse die letzte geschĂŒtzte Kategorie sind. Und was Pinterest, Lululemon und Wynter vor allen anderen verstanden haben.
Hallo đ mein Name ist Florian Schleicher und das ist der FutureStrategies Newsletter. Schön, dass du mitliest đ
In den letzten Monaten habe ich bei 15 Events und fĂŒr 10 KundInnen ĂŒber FRICTION RELOADED, meinen Trendreport gesprochen - ĂŒber die vier Shifts im Konsumverhalten und die Potenziale, die sie fĂŒr Marketing enthalten.
Eine zentrale Beobachtung lies mich dabei nicht losâŠ
Unsicherheit und Druck sind die neue Baseline im Kaufverhalten.
Konsumentenvertrauen ist auf historischem Tiefstand. Die Inflation geht weiter. Menschen sparen bei Kleidung, Elektronik, Lebensmitteln. Und trotzdem reisen junge Menschen, Konzerte sind in Minuten ausverkauft. Festivals sind voll. Live Nation hat gerade 107 Millionen verkaufte Tickets gemeldet, plus 11 % im Jahresvergleich, ohne RĂŒckgang in irgendeiner Demographiegruppe, VeranstaltungsgröĂe oder Region.
Das ist ein Widerspruch. Und ein Signal.
Und mitten darin kommt mir ein Begriff aus der jĂŒngeren Vergangenheit in den Sinn, den ich ein bisschen vergessen hatte:
YOLO.
Das frĂŒhere Post-COVID-YOLO war auf etwas Optimistischem gebaut. Wir haben etwas Schreckliches ĂŒberlebt, die Welt fĂŒhlte sich kurzlebig und optimistischer an, frei zu konsumieren fĂŒhlte sich wie eine Party an.
Diese Party ist vorbei.
Krise nach Krise, Krieg nach Krieg, KI-Weltuntergangs-Nachrichten ĂŒberall und niemand, der wirklich weiĂ, ob sein Job in ein paar Jahren noch existiert, viele sind in einem leichten Panik-Modus.
Ja, auch ich denke viel ĂŒber meine zukĂŒnftige Arbeit als unabhĂ€ngiger Strategist nach.
Ich glaube nach wie vor, dass KI nicht die emotionale Tiefe, die Erfahrung, die Leidenschaft, das BauchgefĂŒhl und die FĂ€higkeit ersetzen kann, neue Wege zu imaginieren, um Menschen zu erreichen, die ich in den letzten zwanzig Jahren in dieser Branche aufgebaut habe.
Aber bin ich sicher, dass ich in 5 Jahren denselben Job haben werde?
Nein, absolut nicht.
Und wie ich erleben gerade viele Menschen Unsicherheit ĂŒber ihre Zukunft, nicht nur aus beruflicher Sicht.
Krisen sind immer Ausgangspunkte fĂŒr etwas Neues.
đ YOLO im Wandel der Zeit
Was ich jetzt beobachte, ist anders als das frĂŒhere YOLO, und ehrlich gesagt aus strategischer Perspektive viel interessanter. Es hat sich in zwei Muster aufgeteilt, die an der OberflĂ€che Ă€hnlich aussehen, aber aus völlig verschiedenen psychologischen Orten kommen.
Das erste ist das, was ĂkonomInnen beginnen âDisillusionomicsâ zu nennen:
Gen Z trÀgt derzeit eine durchschnittliche persönliche Verschuldung von 94.000 Dollar, mehr als jede Generation zuvor. Millennials wissen, dass sie sich nicht dasselbe leisten können wie ihre Eltern (und nein, es liegt nicht an obsessivem Avocado-Essen).
âThe economic system their parents are talking to them about isnât really going to work out for them in the same way.â
Alice Lassman, British Economist
Gleichzeitig wachsen die Ausgaben fĂŒr Unterhaltung und Reisen schneller als jede andere Kategorie, um 25,5% im Jahresvergleich laut Bank of America. Alice Lassman beschrieb es als BewĂ€ltigungsstrategie fĂŒr eine unsichere und mysteriöse finanzielle Zukunft. Wenn das System ohnehin kaputt ist, warum dann aufschieben? Die Logik des originalen YOLO ist noch vorhanden, aber die Emotion dahinter hat sich von Freiheit zu Fatalismus verschoben.
Diese Entwicklung ist kein rein westliches PhĂ€nomen: In Korea wenden sich junge Menschen, getrieben von einer anhaltenden Wirtschaftskrise und hohen Wechselkursen, digitalen Plattformen wie âRooms for Beggarsâ (Geojibang) und âmap for beggarsâ (Geojimap) zu, um ihr Sparen zu gamifizieren.
Anderer Ausdruck, gleiche zugrundeliegende Psychologie:
Wenn die Zukunft unerreichbar erscheint, hört man auf, fĂŒr sie zu planen, und beginnt, die Gegenwart zu optimieren.
Das zweite Muster ist bewusster.






